Die Flussbefreier – Teil 2: Zurück zur Freiheit
Wie renaturierte Flüsse zu Wohlfühlorten werden – und warum das erst der Anfang ist
Als im ersten Teil der Dokumentation „Die Flussbefreier – Wo ein Wille ist…“ drei engagierte Menschen aus Bayern dem Traum vom freien Flusslauf Leben einhauchten, war der Ausgang ungewiss. Alte Wehre, bürokratische Mauern und technische Hürden schienen unüberwindbar. Doch nun – ein Jahr später – zeigt Teil 2 eindrucksvoll: Der Wille hat Wellen geschlagen. Und Veränderung ist sichtbar geworden.
Hühnerbach: Vom grauen Hindernis zum lebendigen Lieblingsplatz
Was einst ein verwittertes Mühlenwehr war, ist heute kaum wiederzuerkennen: Der Hühnerbach schlängelt sich wieder frei durch die Landschaft – eingebettet in neue Strukturen aus über 220 Tonnen Flussbausteinen und 14 massiven Wurzelstöcken. Fünf sogenannte „Riegel“ sorgen dafür, dass Fische und andere Bachlebewesen selbst bei Niedrigwasser ungehindert wandern können.
Für Carolin Friedberger, die das Projekt vor Ort betreut hat, ist der Ort heute weit mehr als nur ein renaturierter Gewässerabschnitt:
„Wo früher Betonmauern alles abgeriegelt haben, ist jetzt ein heller, lebendiger Ort entstanden. Meine Kinder lieben es, hier zu spielen – und ich liebe es, ihnen dabei zuzusehen.“
Auch der ehemalige Mühlenbesitzer, Herr Huber-Hinrichs, hat sich bewusst für den Rückbau entschieden – aus ökonomischer und ökologischer Überzeugung.
„Es macht mich glücklich zu sehen, dass meine Enkel hier heute am Wasser spielen können – an einem Ort, der lange verloren war.“
Kleine Paar: Ein Bach wird Teil der Gemeinde
An der Kleinen Paar ist von der alten Sohlschwelle nichts mehr zu sehen. Stattdessen ist ein Bachabschnitt entstanden, der sich sehen lassen kann – und genutzt wird: mit sanftem Gefälle, einer durchgängigen Niedrigwasserrinne und guter Zugänglichkeit.
Die Menschen aus Baar haben das neue Flussufer längst für sich entdeckt: Sonnenbaden, Füße ins Wasser halten, einfach Natur genießen.
Und auch unter Wasser hat sich einiges getan. Im Rahmen des Films begleitet das Team eine Elektrobefischung – mit erfreulichen Ergebnissen: Bachforellen in allen Altersklassen, auch die Elritze konnte jetzt im Bereich um Baar wieder nachgewiesen werden. Christian Witt von der Fischereifachberatung Schwaben zeigt sich zufrieden:
„Der Fischbestand entwickelt sich sehr gut – das zeigt, dass die Maßnahmen greifen.“
Zusätzlich wurde eine Schulklasse eingeladen, gemeinsam mit dem Wasserwirtschaftsamt Donauwörth eine Makrozoobenthos-Analyse durchzuführen. Ergebnis: „GUT“ – und damit gehört dieser Abschnitt der Kleinen Paar zu den besten 18 Prozent in ganz Bayern.
Bürgermeister Roman Pekis bringt es auf den Punkt:
„Ich bin stolz auf das, was unsere Gemeinde gemeinsam geschafft hat. Aber wir dürfen jetzt nicht aufhören – sonst war all die Mühe umsonst.“
Pegnitz: Die Hoffnung fließt weiter
Während an der Pegnitz zum Zeitpunkt der Dreharbeiten noch Stillstand herrschte, bringt eine aktuelle Entwicklung neue Bewegung ins Projekt: Ein lange erwartetes Gutachten bestätigt, dass die angrenzende Bahntrasse nicht gefährdet ist – und damit nur noch die fehlende Finanzierung der Renaturierung im Weg steht. Die nächsten Schritte können anlaufen, sobald hier eine Lösung gefunden werden konnte. Es fehlt nicht mehr viel damit Hoffnung zu Realität wird.
Zitat aus dem Filmteam
Marc Tscharntke, Das Schaffenswerk: „Wir als Produktionsteam waren beeindruckt und begeistert, mit welchem Engagement unsere drei Flussbefreier dafür gesorgt haben, dass an ihren Bächen, in ihrer Heimat, ein Stück natürliche Lebensqualität zurückgekehrt ist. Jetzt im Teil 2 ist es einfach schön mitzuerleben, wie die frei fließenden Flüsse das Leben der Anwohner beeinflusst und aus Sohlschwellen und alten Wehren Wohlfühlorte geworden sind. Wir ziehen den Hut vor unseren drei Protagonisten und nehmen auch für uns klar die Botschaft mit: Flussbefreier kann jeder werden und am Ende gilt. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“
Film jetzt ansehen – und selbst inspiriert werden
Teil 2 von „Die Flussbefreier“ ist ab sofort online verfügbar – und führt das fort, was im ersten Teil begonnen hat: Engagement, Beharrlichkeit und die Kraft gemeinschaftlicher Veränderung.
Fazit: Was bleibt, wenn der Beton geht?
Nicht nur ein freier Flusslauf – sondern auch ein neues Gefühl für Natur, für Gemeinschaft, für Verantwortung.
Die Flussbefreier zeigen, dass aus Rückbau Aufbruch werden kann. Und dass echte Veränderung sichtbar ist – im Wasser, an den Ufern, und in den Menschen.