Start der Maßnahmen an der Kupfermühle in Ostheim

„Unsere Flüsse sollen wieder lebendig sein“ – Stefanie Schiche im Interview

Wehrrückbau Kupfermühle

Wie fühlt es sich an, wenn Beruf und Berufung eins werden? Für Stefanie Schiche ist das der Alltag. Sie arbeitet beim Landschaftspflegeverband Rhön-Grabfeld – und dort setzt sie sich mit ganzer Energie für naturnahe Gewässer ein.
„Ich bin immer wieder beeindruckt von der Vielfalt unserer Landschaft“, sagt sie. „Aber gerade an unseren Bächen und Flüssen gibt es noch viel zu tun.“

Jetzt beginnt in Ostheim vor der Rhön ein Projekt, das ihr besonders am Herzen liegt: An der Kupfermühle – einem stillgelegten Kleinwasserkraftwerk – soll die Streu in den kommenden Monaten wieder frei fließen können. Als Verbundpartnerin im bayernweiten Projekt Fluss.Frei.Raum koordiniert Stefanie Schiche vom Landschaftspflegeverband Rhön-Grabfeld die Maßnahme vor Ort. Ziel ist es, die ökologische Durchgängigkeit des Bachs wiederherzustellen – für mehr Artenvielfalt, besseren Hochwasserschutz und wirksamen Klimaschutz.
Schiche ist überzeugt: „Ein Wehrabbau kann den Unterschied machen.“

Wehrrückbau Kupfermühle

Projektstart: Die Streu wird untersucht

Der erste sichtbare Schritt ist gemacht: Bei einer sogenannten Makrozoobenthos-Beprobung wurde die Streu genau unter die Lupe genommen – mit Blick auf Insektenlarven, Schnecken und andere Kleinstlebewesen, die viel über die Wasserqualität verraten.
„Diese Erhebung ist wichtig“, sagt Schiche, „weil sie eine solide Basis für alle weiteren Maßnahmen liefert – und zeigt, wie lebendig das Gewässer wirklich ist.“

Das Projekt ist Teil des bayernweiten Programms „Fluss.Frei.Raum – Klimaresiliente Bäche und Flüsse für Bayern“. Vor Ort wird es vom Landschaftspflegeverband Rhön-Grabfeld e. V. koordiniert, unterstützt von WWF Deutschland, BUND Naturschutz in Bayern e.V., Landesfischereiverband Bayern, Bayerischem Kanu-Verband und weiteren Partnern. Gefördert wird es durch das Bundesumweltministerium und das Bundesamt für Naturschutz im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK).

Kupfermühle, Makrozoobenthos-Beprobung
Kupfermühle, Makrozoobenthos-Beprobung
Kupfermühle, Makrozoobenthos-Beprobung
Kupfermühle, Makrozoobenthos-Beprobung

Fünf Fragen an Stefanie Schiche

Frau Schiche, worum geht es bei „Fluss.Frei.Raum“ – und was genau machen Sie?
Im Projekt betreue ich die Renaturierungsmaßnahmen rund um die Kupfermühle. Unser Ziel ist es, das ungenutzte Wehr zurückzubauen, die Streu wieder durchgängig zu machen – und zugleich neuen Retentionsraum (Überflutungsfläche zur Hochwasserentlastung) zu schaffen.

Warum gerade dieser Standort?
Die Streu ist in weiten Teilen noch in gutem Zustand. An der Kupfermühle lässt sich mit vergleichsweise wenig Eingriff viel erreichen – deshalb wurde sie als erstes Beispiel ausgewählt. Ein Leuchtturmprojekt, das zeigen soll: Rückbau geht auch im Kleinen.

Was passiert beim Rückbau technisch?
Das Wehr wird größtenteils entfernt, ebenso ein Großteil der künstlich verbauten Ufersteine. So entsteht neuer Lebensraum für Fische, Insekten und Pflanzen – und Platz für Wasser in Hochwasserzeiten.

Welche Arten profitieren besonders?
Vor allem die Groppe – ein kleiner Grundfisch ohne Schwimmblase – für die selbst niedrige Barrieren unüberwindbar sind. Aber auch viele andere Tierarten brauchen Fließgewässer in naturnahem Zustand mit verschiedenen Strukturen.

Wie geht es weiter nach der Beprobung?
Aktuell bereitet ein Planungsbüro die Genehmigungsunterlagen vor. Der Rückbau ist für 2025 geplant. Bis dahin begleiten wir das Projekt mit Monitoring, weiteren Untersuchungen – und hoffentlich wachsendem Interesse.

Kupfermühle, Beprobung

Ein Fluss in Bewegung – und wir begleiten ihn weiter

Die nächsten Schritte laufen bereits: Genehmigungen werden vorbereitet, die Planung konkretisiert – und mit der Makrozoobenthos-Beprobung wurde der ökologische Ausgangszustand dokumentiert.
Schiche erklärt: „Wir wollen sehen, ob unsere Maßnahmen wirklich etwas verbessern – und werden deshalb auch künftig regelmäßig untersuchen, was sich im und am Wasser verändert.“

Kupfermühle, Makrozoobenthos-Beprobung
Kupfermühle, Makrozoobenthos-Beprobung
Kupfermühle, Makrozoobenthos-Beprobung
Kupfermühle, Makrozoobenthos-Beprobung

Warum das wichtig ist

In Bayern unterbrechen mehr als 56.000 Querbauwerke wie Wehre oder Abstürze den natürlichen Flussverlauf. Sie verhindern Wanderungen, blockieren den Sedimenttransport und zerstören dynamische Lebensräume.
Mit dem Programm „Fluss.Frei.Raum“ will Bayern diese Barrieren Schritt für Schritt abbauen – und klimaresiliente Gewässerlandschaften schaffen.

Wehrrückbau Kupfermühle

Fazit: Ein Anfang mit Signalwirkung

Mit der Kupfermühle beginnt der Wandel. Noch fließt die Streu nicht völlig frei – aber der Weg ist bereitet.
„Ich wünsche mir mehr Bewusstsein für unsere Gewässer“, sagt Stefanie Schiche. „Und dass wir nicht länger zusehen, wie unsere Lebensgrundlage verbaut wird.“
Wir begleiten den Prozess weiter – mit Berichten, Interviews und Reportagen. Denn: Jeder Meter freier Fluss ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Wehrrückbau Kupfermühle