Wasserwege mit Weitblick

Paddeln. Erleben. Erhalten. – Umweltbewusst unterwegs auf Bayerns Bächen und Flüssen

Naturverträglich paddeln

Ein Sommertag am Fluss. Die Luft ist warm, das Wasser bewegt sich ruhig zwischen den Uferpflanzen hindurch. Vögel rufen aus dem nahen Gehölz, das Sonnenlicht bricht sich auf der Oberfläche. Lautlos gleitet ein Paddel durchs Wasser – mit jedem Zug scheint die Welt ein Stück langsamer zu werden. Wer sich mit Kanu, Kajak oder SUP auf Bächen und Flüssen bewegt, erlebt Natur unmittelbar – und trägt gleichzeitig Verantwortung dafür, dass sie intakt bleibt.

Zwischen Sport und Schutzgebiet

Wassersport liegt im Trend. Immer mehr Menschen suchen auf dem Wasser Ruhe, Bewegung und Abenteuer. Das ist wunderbar – doch je mehr Menschen unterwegs sind, desto wichtiger ist die Frage: Wie lassen sich Sport und Naturschutz vereinbaren?

Die gute Nachricht: Es geht – mit Achtsamkeit, Wissen und dem Willen, Rücksicht zu nehmen. Denn Fließgewässer sind keine Sporthallen, sondern empfindliche Lebensräume. Uferzonen, flache Gewässerbereiche und Wasserpflanzen bieten unzähligen Tieren Brutplätze, Laichgründe und geschützte Rückzugsräume. Manchmal kann schon etwas Unachtsamkeit – ein falsch gewählter Rastplatz, ein kurzer Abstecher in sensible Gewässerbereiche – zu schwerwiegenden Störungen oder gar Schäden führen.

Naturverträglich paddeln

Naturverträglich paddeln ist möglich

Wer verantwortungsbewusst unterwegs ist, schützt nicht nur die Tier- und Pflanzenwelt, sondern bereichert auch das eigene Naturerlebnis. Denn das lautlose Gleiten, die Nähe zum Wasser und das Spiel mit der Strömung genießt man erst dann richtig, wenn man sich selbst als Teil des Ganzen, als Teil der Natur begreift und sozusagen „Eins mit dem Fluss“ wird.

Schon bei der Ausrüstung kann man ansetzen: Hochwertige, langlebige Materialien und Kleidung aus Recyclingfasern sind gut verfügbar – Second-Hand schont zusätzlich den Geldbeutel. Ebenso wichtig: Die richtige Tourenplanung. Wer im Vorfeld klärt, welche Regeln gelten und wann & wo besondere Rücksichtnahme (z.B. auf Vogelbrut oder Fischlaich) geboten ist, kann mit gutem Gewissen paddeln und verhindert Konflikte – und entdeckt dabei oft schöne, alternative Routen.

Service ABC: 10 Tipps für naturfreundliches Paddeln

AAusrüstung prüfen: Nur mit geeigneter und vollständiger (Sicherheits-) Ausrüstung paddeln
BBrutzeiten beachten: März bis Juni ist für viele Tiere besonders sensibel
CClean-Up nebenbei: Ein kleiner Müllbeutel  im Boot nimmt nicht nur den eigenen Müll mit
DDurchfahrtsverbote respektieren: Sie schützen Mensch und Natur
EEin- & Ausstieg naturverträglich: Nur an geeigneten Stellen
FFlachwasser meiden: Dort leben (und laichen) Fische, Frösche und Insekten
GGemeinschaft stärken: Rücksicht nehmen und freundlich aufklären und helfen anstatt belehren
HHinweise vor Ort: Aktuelle Informationen von Anwohnern sowie Schildern beachten
IInsektenparadiese meiden: Röhricht und Wasserpflanzen umfahren
JJede Fahrt planen: Vorbereitung hilft, Fehler und Risiken zu vermeiden

Naturverträglich paddeln

Vier Fragen – vier Antworten

Stefan Schmidt, Koordinator Zielgruppe Wassersport, Bayerischer Kanu-Verband e.V., erklärt, warum achtsames Verhalten auf dem Wasser heute wichtiger ist, denn je.

1. Was bedeutet „naturverträglich paddeln“ in der Praxis?

Abstrakt bedeutet naturverträglich Paddeln, aber auch naturverträgliches Verhalten generell, sich immer selbstkritisch die Frage nach negativen Konsequenzen des eigenen Tuns zu stellen und durch besseres Handeln dafür zu sorgen, dass Störungen oder gar Schäden für die Natur oder Andere möglichst vermieden werden.
Konkret bedeutet dies in 99% aller Fälle, Rücksicht auf die Natur aber auch Anlieger und andere Naturnutzer zu nehmen und das eigene Verhalten entsprechend anzupassen oder (in besonderen Fällen sogar bis hin zum Verzicht) einzuschränken. Ein schönes Bild für naturverträgliches Verhalten zeichnet das einem Häuptling der Ureinwohner Nordamerikas zugeschriebene Zitat „Take nothing but memories, leave nothing but footprints“ („Nimm nichts aus der Natur mit außer Erinnerungen und hinterlasse nichts als Deine Fußabdrücke“). Konkret übersetzt auf das Paddeln übersetzt bedeutet das also: „Achte darauf, möglichst wenig zu stören und vor allem nichts zu zerstören. Halte Dich an die Regeln, agiere verantwortungsbewusst und nimm Deinen Müll wieder mit nach Hause. Ansonsten: Genieße die Ruhe und die Natur am und auf dem Fluss“.

2. Wo entstehen die häufigsten Konflikte zwischen Menschen und Natur?

Ich persönlich habe etwas Probleme mit der Fragestellung, da sie einen Gegensatz von Natur und Mensch andeutet, während ich mich als Teil der Natur begreife. Nach meiner Wahrnehmung entstehen Konflikte in der Regel auch zwischen Menschen – üblicherweise dort, wo entweder sehr viele Menschen aufeinander (und auf sensible Naturräume) treffen, oder einige Menschen sich aus Unwissenheit (oder seltener auch mit Absicht) nicht rücksichtsvoll gegenüber ihren Mitmenschen und/oder der Natur benehmen. Hier sollte sich alle die Frage stellen, ob das eigene Verhalten gegenüber anderen und der Natur im umgekehrten Fall akzeptiert werden würde…

3. Wie erkenne ich sensible oder geschützte Bereiche unterwegs?

In der Regel genügt hier der „gesunde Menschenverstand“. So sind natürlich Bereiche tabu, in denen mein eigenes Handeln zwangsläufig zu Beschädigungen (z.B. an Pflanzen, aber auch am Gelände selbst) führen würde. Darüber hinaus ist es wichtig, sich vorher zu informieren, inwiefern die durch das eigene Verhalten ggf. verursachten Störungen der Tierwelt vertretbar sind. Dabei kommt es nicht nur darauf an, wie intensiv und lang die Störwirkung ist, sondern auch, ob diese an einer Stelle und in einer Zeit erfolgt, welche für das einzelne Tier oder gar den Bestand der gestörten Tierart besonders kritisch ist – wie z.B. Laich- oder Brutzeiten. Egal ob potenzielle Laich-/Brutzone oder einzelne Tiere: Generell immer möglichst ruhig, zügig sowie (in einer ausreichend tiefen Fahrrinne ohne Bodenkontakt!) mit größtmöglichem Abstand passieren. Die Beachtung dieser eigentlich logischen Verhaltensregel hilft übrigens auch, „Stress“ und Konflikte mit anderen Gewässernutzern (wie z.B. Angelfischern) zu vermeiden -schließlich wollen alle (wie wir selbst auch) eigentlich nur möglichst ungestört die Natur genießen!

4. Warum sind frei fließende Bäche und Flüsse so wichtig – für die Natur, aber auch für Paddler?

Frei fließende Gewässer sind die Arterien unserer Natur – über ihr Netzwerk verbinden sie schon seit Urzeiten Lebensräume und auch uns Menschen: Das Leben breitet sich entlang der Flussläufe in beide Richtungen aus und macht das Gesamtsystem resilienter, da Beeinträchtigungen durch lokale Ereignisse über die Verbindungen aus dem gesamten Netzwerk heraus wieder ausgeglichen werden können. „Ohne (Süß-) Wasser kein Leben“ – allein dieser Zusammenhang begründet die besondere Beziehung von Natur und Menschen zu unseren Gewässern: Nach der Deckung elementarer Bedürfnisse wurden zunehmend auch andere „Systemdienstleistungen“ wahrgenommen und die ursprünglich stark von Gefahren (z.B. Hochwasser) geprägte Sicht ins Positive verändert: Von der malerischen Darstellung als prägendes Motiv in harmonischen und wildern Landschaften war es dann nur noch ein kleiner Schritt zur Erschließung der Gewässer als Raum zur geistigen und später auch körperlichen Erholung. Gerade in unserer „technisierten“ Welt ist das Erleben noch intakter Natur auch an und auf „lebendigen“ Fließgewässern wichtig für das psychische Wohlbefinden und lehrt uns in spielerischer Weise, die Natur und die unbändige Kraft von fließendem Wasser zu respektieren.

 

Naturverträglich paddeln
Naturverträglich paddeln
Naturverträglich paddeln

Fluss.Frei.Raum – Paddeln mit Weitblick

Wer mit dem Boot oder dem SUP unterwegs ist, spürt die Freiheit des Wassers – und oft auch, wo sie endet. Plötzlich wird das leise Dahingleiten gestoppt: Von einem Wehr, einer Staustufe, einem künstlichen Absturz. Nicht nur für Paddlerinnen und Paddlern ist das ein Hindernis – auch Fischen, Muscheln und Kleinlebewesen versperrt es den Weg.

Das Projekt Fluss.Frei.Raum setzt genau hier an: Es macht sich stark für frei fließende Bäche und Flüsse in Bayern – durch den Rückbau unnötiger Barrieren und mit dem Ziel, mehr natürliche Flussläufe zu schaffen: Für die Natur, den Hochwasserschutz und unser Klima.
Denn jede Öffnung bringt Leben zurück ins Wasser, jede Maßnahme schafft neuen Raum für Artenvielfalt und Erholung.

Es gibt viele Möglichkeiten, sich für frei fließende Gewässer einzusetzen – ob im Alltag an Land bei Gesprächen mit Anderen, bei einer Mitmach-Aktion oder durch bewusstes Verhalten beim Paddeln.
Nur gemeinsam können wir die Schönheit und die ökologische Bedeutung unserer Bäche und Flüsse bewahren.

👉 Machen Sie mit – für lebendige Gewässer und eine gesunde Natur.

Naturverträglich paddeln