Zehrer Mühle an der Mitternacher Ohe
– Stand April 2025 –
Im Rahmen eines Renaturierungsprojektes an der Mitternacher Ohe kaufte der Landesfischereiverband Bayern e.V. ab 2001 sukzessive die Wasserrechte an den drei vorhandenen Wasserkraftwerken auf und baute die Stauanlagen zurück. Das erste Projekt gelang an der Zehrer Mühle.
Die einzelnen Bauabschnitte bestanden aus dem Abriss der Wehranlage, der Revitalisierung der Flusssohle, der Stilllegung des Werkskanals und damit der Rückführung des gesamten Abflusses in das alte Flussbett. Der Ankauf des Kleinwasserkraftwerks samt Wasserrecht aus Mitteln des Bayerischen Naturschutzfonds, der Fischereiabgabe, des Gewässerschutzfonds Niederbayern und Eigenmitteln des LFV Bayern ermöglichten den Rückbau. Die Gesamtkosten inklusive diverser Gutachten und Bauarbeiten lagen bei ca. 300.000 €.
Erfolge und Ergebnisse
Die Mitternacher Ohe ist aus fischökologischer Sicht als ein sehr bedeutendes Fließgewässer einzustufen. Einer der wesentlichen Störfaktoren in diesem System war der Bestand an Kleinkraftwerken. Begleitend zu den Maßnahmen an der Zehrer Mühle wurde im Rahmen eines Monitorings der Zustand des Gewässers vor dem Rückbau und die Entwicklung innerhalb eines Jahres ermittelt. Die hierbei gewonnenen Ergebnisse sind eindeutig: Die teilweise Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Mitternacher Ohe und die Vitalisierung ehemals von Wasserkraft beeinträchtigter Abschnitte brachte eine klare Verbesserung für die Gewässerfauna mit sich.
In den vormals beeinträchtigten Gewässerabschnitten (Staubereich, Ausleitungsstrecke) wurden die Substrat- und Strömungsverhältnisse deutlich aufgewertet. Darüber hinaus verbesserte sich im näheren und weiteren Umfeld der ehemaligen Wehranlage der Fischbestand sowohl qualitativ als auch quantitativ. Insbesondere die Populationsstruktur der Hauptfischart Bachforelle hat sich merklich verbessert. Und die Rote-Liste-Art Huchen konnte neue geeignete Lebensräume oberhalb der ehemaligen Wanderbarriere erschließen. Erstmals seit langer Zeit wurden oberhalb des Wehres wieder Huchen beim Laichen beobachtet. Ergebnisse des Monitorings im Detail:
Die Auswertung zeigte sehr deutlich, dass in allen Untersuchungsbereichen eine Verbesserung des Substrates erreicht werden konnte. Der Rückbau trug unter anderem wesentlich zur Reduktion des Feinsedimentanteils im ehemaligen Staubereich bei. Für das dem Leitbild entsprechende Makrozoobenthos und die Fischarten bedeutet dies einen erheblichen Habitatgewinn.
So konnten selbst im ehemaligen Staubereich schon kurz nach dem Rückbau bei Makroinvertebraten deutlich gestiegene Individuen- und Artendichten festgestellt werden. Bei den Zweiflüglern konnte nach dem Rückbau eine deutliche Taxasteigerung in vielen Bereichen verzeichnet werden.
Die Zunahme des Fischbestands schlägt sich mit 410 gefangenen Fischen vor dem Rückbau und 671 Fische danach nieder, was einem Zuwachsfaktor 1,6 entspricht. Bedenkt man, dass sich die befischte Strecke nach dem Rückbau um die stillgelegte Kanalstrecke verkleinert hat, gewinnt dieser Wert umso mehr Gewicht. Auch die Artenzahl stieg durch den Rückbau in den genannten Bereichen (Referenzstrecken und Ausleitungsstrecke) deutlich an. So wurden in der oberen Referenzstrecke zusätzlich Äsche und Steinkrebs, in der unteren Referenzstrecke Rutte und Regenbogenforelle und in der Ausleitungsstrecke Donauneunauge und Steinkrebs nachgewiesen. Seit Frühjahr 2003 konnten oberhalb des ehemaligen Wehres erstmals wieder laichende Huchen beobachtet werden.
Herausforderungen bei diesem Projekt
Schon bei diesem ersten Projekt war klar: Zur Verbesserung der nach wie vor stark gestörten fischökologischen Funktionsfähigkeit der Mitternacher Ohe müssen weitere Schritte zur Gewässervernetzung unternommen werden. Um das potenzielle Artenspektrum wieder im vollen Umfang herzustellen, müssen alle vorhandenen Wanderbarrieren bis in die Donau wieder durchgängig gemacht werden. Dabei gibt es bis heute einen erheblichen Zielkonflikt zwischen der Stromproduktion aus Wasserkraft im Sinne des Klimaschutzes auf der einen Seite und dem Gewässer- und Naturschutz auf der anderen Seite.
Es gelang in den Folgejahren, die Mitternacher Ohe sowohl an der Hiaslmühle als auch an der Mitternachmühle wieder zu einem über 17 km frei fließenden Fluß zu machen.
Fragen zum Projekt?
Kontaktieren Sie uns gerne bei Fragen zu den Hintergründen des hier skizzierten Projekts an der Mitternacher Ohe. In der Liste häufig gestellter Fragen /FAQ finden Sie vom einzelnen Standort unabhängige Informationen.
Katharina Amann
Landesfischereiverband Bayern e.V.
Katharina.Amann@lfvbayern.de
089 642726-46